Die Rehabilitation nach einem Schlaganfall spielt eine entscheidende Rolle für die Genesung der Patienten, indem sie die Mechanismen der zerebralen Neuroplastizität nutzt, um beeinträchtigte Funktionen wiederherzustellen.
Dieser Artikel bietet einen Überblick über den Schlaganfall, seine Folgen und die Bedeutung einer intensiven Rehabilitation im Genesungsprozess.
Verständnis des Schlaganfalls und seiner Folgen
a. Mechanismen des Schlaganfalls
Man unterscheidet zwei Haupttypen von Schlaganfällen:
- Der ischämische Schlaganfall, der etwa 80 % der Fälle ausmacht und aus der Verstopfung einer Hirnarterie resultiert.
- Der hämorrhagische Schlaganfall, der etwa 20 % der Fälle ausmacht und durch das Reißen einer Arterie im Gehirn (Hirnblutung) oder im Bereich der Gehirnhäute (Erhöhung des Hirndrucks/Meningealblutung) verursacht wird (1).
Die betroffenen Hirnareale bestimmen die Art und Schwere der beobachteten Störungen.
b. Mit dem Schlaganfall assoziierte Störungen
- Motorische Störungen umfassen die Hemiplegie (Lähmung einer Körperseite) sowie Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen.
- Sprachstörungen äußern sich häufig als Aphasie, die zu Schwierigkeiten beim Verstehen und/ oder beim Sprechen führt.
- Kognitive Defizite können das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit und die Exekutivfunktionen beeinträchtigen.
Weitere Störungen können auftreten, wie Dysphagie (Schluckstörungen) oder Hemianopsie (Sehfeldausfall in einer Hälfte des Gesichtsfeldes) (2).
c. Auswirkungen auf die Lebensqualität
Ein Schlaganfall kann zu einem erheblichen Verlust der Autonomie führen, der sowohl die täglichen Aktivitäten als auch das soziale und berufliche Leben beeinträchtigt. So wird geschätzt, dass etwa 40 % der Schlaganfallüberlebenden langfristig schwere Folgeschäden behalten (3). Zudem ist bekannt, dass 18 bis 33 % der Patienten infolge dieses Ereignisses ein depressives Syndrom entwickeln (4).
Intensive Rehabilitation: Der Schlüssel zur Genesung
a. Prinzipien der intensiven Rehabilitation
Die Rehabilitation nach einem Schlaganfall basiert auf drei Grundprinzipien:
- Frühzeitigkeit der Versorgung: Die Rehabilitation sollte so bald wie möglich beginnen, idealerweise innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach dem Schlaganfall.
- Multidisziplinarität: Ein Ansatz, der verschiedene therapeutische Modalitäten kombiniert.
- Personalisierung des Programms: Es muss an die spezifischen Bedürfnisse des Patienten angepasst werden.
💡Hinweis: Internationale Standards empfehlen drei Stunden körperliche Rehabilitation pro Tag nach einem Schlaganfall. Studien zeigen zudem, dass die Erhöhung der Aktivitätsdosis ein wesentliches Element für die funktionelle Erholung der Patienten und den Erhalt der Autonomie darstellt.
Therapie: 7%
Schlafen: 41%
Ruhe: 21%
b. Techniken und Instrumente der Rehabilitation
Die Rehabilitation mobilisiert ein multidisziplinäres Team von Therapeuten, von denen jeder spezifisches Fachwissen einbringt:
- Physio- und Ergotherapeuten spielen eine zentrale Rolle bei der Gestaltung von Übungsprogrammen zur Muskelstärkung und zum Wiedererlernen alltäglicher Bewegungsabläufe.
- Logopäden sind essenziell für die Behandlung von Sprach- und Schluckstörungen.
- Sporttherapeuten (EAPA) erstellen personalisierte Programme zur Kräftigung und Belastungserprobung.
- Psychomotoriker arbeiten an Koordination, Gleichgewicht und Körperbewusstsein. Ihr Ansatz zielt darauf ab, das Körperschema und die räumlich-zeitliche Orientierung zu verbessern.
- Neuropsychologen konzentrieren sich auf die Rehabilitation kognitiver Funktionen wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Planung.
- Psychologen bieten emotionale Unterstützung, um Angstzustände, Depressionen oder Frustration zu bewältigen.
- Ärzte für Physikalische und Rehabilitative Medizin (PRM) koordinieren die Gesamtversorgung. Als Experten für funktionelle Rehabilitation bewerten sie motorische, kognitive und sensorische Fähigkeiten, um einen individuellen Behandlungsplan zu erstellen.
Zusätzlich zur therapeutischen Intervention können verschiedene Techniken eingesetzt werden: Rehabilitationsrobotik (Exoskelette), mentale Vorstellungskraft, Spiegeltherapie oder funktionelle Elektrostimulation (FES) (6).
c. Rolle der zerebralen Plastizität bei der Genesung
Unser Gehirn ist für seine „Plastizität“ bekannt. Das bedeutet, dass es in der Lage ist, sich lebenslang ständig neu zu organisieren. Es gibt zwei Wege der Plastizität: die Neurogenese (Bildung neuer Neuronen) und die Synaptogenese (Fähigkeit der Neuronen, neue Verbindungen zu knüpfen). Die zerebrale Plastizität ist nach einem Schlaganfall sehr aktiv (7) und muss stimuliert werden, um das Erholungspotenzial zu maximieren (8).
d. Vorteile der intensiven Rehabilitation
Wie bei jedem Lernprozess gilt: Je mehr ein neuronaler Weg durch Übung beansprucht wird, desto leichter und stärker wird die Kommunikation zwischen den Neuronen. Neuere Studien zeigen, dass intensive Rehabilitation eine signifikante Verbesserung der motorischen Funktionen im Vergleich zur Standardrehabilitation ermöglicht (9,10).
Dennoch ist es schwieriger, eine nutzbare Funktion der oberen Extremität (Arm) wiederzuerlangen, da deren Funktionalität komplexer ist als die der unteren Extremität. Etwa 20 % der Patienten erlangen eine für das tägliche Leben ausreichende Armfunktion zurück (11). Die Gehfähigkeit wird bei fast 80 % der Patienten wiederhergestellt, auch wenn diese nicht immer perfekt ist (12).
Die intensive Rehabilitation ist ein Schlüsselelement im Genesungsprozess nach einem Schlaganfall. Aktuelle Fortschritte in den Neurowissenschaften und der Rehabilitationstechnologie, wie die nichtinvasive Hirnstimulation und künstliche Intelligenz, eröffnen neue vielversprechende Perspektiven für die Individualisierung der Programme.
Literaturverzeichnis
- Was ist ein Schlaganfall? | Fondation pour la Recherche sur les AVC (o. D.). Abgerufen am 18. Oktober 2024.
- Schlaganfälle | www.cen-neurologie.fr. (o. D.). Abgerufen am 23. Oktober 2024.
- Schlaganfall (AVC) · Inserm, La science pour la santé. (o. D.). Inserm. Abgerufen am 23. Oktober 2024.
- Medeiros, G. C., Roy, D., Kontos, N., & Beach, S. R. (2020). Depression nach Schlaganfall: Ein aktualisierter Rückblick 2020. General Hospital Psychiatry, 66, 70–80.
- Rehabilitation and recovery — Principles of rehabilitation. (o. D.). National Clinical Guideline for Stroke. Abgerufen am 18. Oktober 2024.
- Pollock, A., Farmer, S. E., Brady, M. C., Langhorne, P., Mead, G. E., Mehrholz, J., & Wijck, F. van. (2014). Interventionen zur Verbesserung der Funktion der oberen Extremitäten nach einem Schlaganfall. Cochrane Library.
- Cramer, S. C., Sur, M., Dobkin, B. H., O’Brien, C., et al. (2011). Nutzung der Neuroplastizität für klinische Anwendungen. Brain, 134(6), 1591.
- Grefkes, C., & Fink, G. R. (2020). Erholung nach einem Schlaganfall: Aktuelle Konzepte und Zukunftsperspektiven. Neurological Research and Practice, 2, 17.
- Veerbeek, J. M., Koolstra, M., Ket, J. C., van Wegen, E. E., & Kwakkel, G. (2011). Auswirkungen einer erweiterten Bewegungstherapie auf das Ergebnis des Gehens und gehbezogener Aktivitäten in den ersten 6 Monaten nach einem Schlaganfall. Stroke, 42(11), 3311–3315.
- Lohse, K. R., Lang, C. E., & Boyd, L. A. (2014). Ist mehr besser? Verwendung von Metadaten zur Untersuchung von Dosis-Wirkungs-Beziehungen in der Schlaganfall-Rehabilitation. Stroke, 45(7), 2053–2058.
- Nakayama, H., Jørgensen, H. S., Raaschou, H. O., & Olsen, T. S. (1994). Wiedererlangung der Funktion der oberen Extremitäten bei Schlaganfallpatienten: Die Kopenhagen-Schlaganfall-Studie. Archives of Physical Medicine and Rehabilitation, 75(4), 394–398.
- Jørgensen, H. S., Nakayama, H., Raaschou, H. O., & Olsen, T. S. (1995). Wiedererlangung der Gehfunktion bei Schlaganfallpatienten: Die Kopenhagen-Schlaganfall-Studie. Archives of Physical Medicine and Rehabilitation, 76(1), 27–32.